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Geht Social Media für Kids auch sicher?

Ondrej Kubovič | 09 Jul 2020
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Soziale Medien sind in den letzten Jahren zu einer unverzichtbaren Konstante im Leben unserer Kinder und Jugendlichen geworden. Egal ob sie einfach nur in Verbindung mit Freunden bleiben, Meinungen und Interessen teilen oder up-to-date im Leben ihrer Stars bleiben möchten – für die meisten dieser „Digital Natives“ bedeuten soziale Netzwerke eine Art Parallelwelt zum realen Leben. Knapp die Hälfte der heutigen Teenager geben sogar an, dass sie fast durchgehend online sind.

Zweifelsohne haben soziale Netzwerke zahlreiche positive Effekte. Ihre schlagartige Ausbreitung im letzten Jahrzehnt hat aber vor allem auch in Bezug auf Kinder und Jugendliche ernsthafte Fragen und Bedenken aufgeworfen. Im Folgenden wollen wir auf einige dieser Probleme eingehen und Ihnen Tipps an die Hand geben, wie Sie Ihre Kinder vor den „Dunklen Seiten“ der sozialen Medien schützen können.

1. Das Eindringen in die eigene Privatsphäre

So wie jede andere Aktivität im Internet, hinterlässt das Posten in sozialen Medien einen permanenten Fingerabdruck. Vor allem Kinder sind sich dessen nicht bewusst, wenn sie zum ersten Mal mit solchen Netzwerken in Berührung kommen. Überwältigt von den neuen Erfahrungen realisieren sie nicht, dass sie später manche Beiträge bereuen werden, die sie der ganzen Welt zugänglich gemacht haben. Persönliche Gedanken, peinliche Fotos oder private Informationen können durchaus missbraucht werden, wenn diese in die falschen Hände gelangen.

Unsere Tipps

Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind nur altersgerechte Social-Media-Plattformen benutzt. Die meisten sozialen Netzwerke haben eine Mindestalter-Angabe, die Ihnen als Richtlinie dienen sollte.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Privatsphären-Einstellungen. Das Profil Ihres Kindes sollte generell auf „privat“ eingestellt sein, damit Informationen über und Beiträge von Ihrem Kind nicht von Unbefugten gelesen werden können.

Machen Sie Ihrem Kind klar, dass so mancher Post auch persönlich nach hinten losgehen kann. Private und sensible Informationen, Fotos von persönlichen Dokumenten oder mit scanbaren Codes (z.B. Tickets für Konzert- oder Sportveranstaltungen) gehören nicht auf die Social Media Seiten ihres Kindes und können im schlimmsten Falle für viele Tränen sorgen.

2. Betrügereien und Fake News

Unglücklicherweise leben wir in einer Zeit, in der sich nicht nur lustige Katzen-Videos explosionsartig über soziale Medien verteilen. Von betrügerischer Werbung, die stark verbilligte Top-Produkte anpreist bis hin zu absichtlich gestreuten Falschmeldungen, um die Meinungen von Menschen zu beeinflussen – sie alle finden in den sozialen Medien perfekte Bedingungen für eine schnelle Verbreitung ihrer irreführenden Inhalte vor. Sicherlich sind auch Kinder heutzutage in der Lage, plumpe Betrugsmails zu erkennen, bei denen ihnen etwa viel Geld im Austausch für persönliche Informationen versprochen werden. Aber gegen ausgeklügelte Betrugs-Kampagnen in den sozialen Netzwerken sind sie sicher nicht gewappnet.

Unsere Tipps

Sowohl Fake News als auch Betrügereien lassen sich oft an den jeweiligen Gemeinsamkeiten erkennen. Bringen Sie Ihrem Kind bei, welche das sind und wie es diese erkennen kann:

- Klingt ein Angebot zu schön, um wahr zu sein, handelt es sich fast ausschließlich um einen Betrug

- Fake News mangelt es häufig an glaubwürdigen Quellen und sprachlicher Qualität. Fehlt zudem der Name des Autors und lassen sich in seriösen Medien keinerlei ähnlichen Berichte finden, handelt es sich in den allermeisten Fällen um eine absichtliche Falschmeldung.

- Zeigen Sie Ihrem Kind solche betrügerischen Posts oder auch Fake News und erklären Sie an diesen Beispielen, auf welche verschiedenen Anzeichen Ihr Kind achten sollte.

 

3. Cybermobbing, Hassreden und Cyberstalking

Soziale Medien geben jedem Menschen eine Stimme. Aber leider verfolgt nicht jeder User ein ehrbares Ziel damit. Vor allem Kinder können es nur schwer verarbeiten, wenn sie mit Hass-Kommentaren oder in noch schlimmeren Fällen mit Cybermobbing oder Cyberstalking konfrontiert werden. Für Eltern kann das schwerer zu erkennen sein als bspw. Mobbing in seiner traditionellen Form.

Unsere Tipps

Wie bereits weiter oben ausgeführt, sind die Privatsphären-Einstellungen ihres Kindes sehr wichtig, um unerwünschte Kontakte fernzuhalten. Lediglich seine Freunde sollten das Profil einsehen können. Umso wichtiger ist es, dass Ihr Sprössling keinerlei Freundschaftsanfragen von Fremden annimmt, so wie es im realen Leben auch sein sollte.

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind schlechte Erfahrungen in den sozialen Medien gemacht hat, sollten Sie sich die Zeit nehmen, darüber zu reden. 

Helfen Sie Ihrem Kind, das Problem zu lösen. Fast alle sozialen Netzwerke bieten die Möglichkeit, andere User zu blocken und zu melden. In extremen Fällen sollten Sie sich nicht davor scheuen, die Polizei zu kontaktieren.

4. Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit

Das stundenlange Scrollen durch Social Media Feeds kann das Selbstwertgefühl und die Stimmung ihres Kindes erheblich beeinflussen. Die verschiedenen Plattformen haben ein stark wettbewerbsorientiertes Umfeld geschaffen, bei dem die Anzahl der Likes oftmals mit der „Relevanz“ der jeweiligen Person gleichgesetzt wird. Gerade bei Jugendlichen kann das schnell zu Konkurrenzdenken führen. Darüber hinaus kommen ihre Kinder natürlich auch mit den Social Media Kanälen ihrer Lieblingsstars in Berührung. Das sind meist bis zur Perfektion aufpolierte Profile, die ihren häufig sehr jungen und leicht zu beeindruckenden Fans ein völlig verzerrtes Bild der Wirklichkeit vorgaukeln. Nicht selten hat es den Effekt, dass Kinder dadurch ihr eigenes Leben als „unzulänglich“ empfinden. Neben dem Verlust des eigenen Selbstvertrauens kann das übermäßige Verbringen von Zeit in sozialen Medien auch zu Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen und anderen psychologischen Problemen führen. Die Betonung liegt hier allerdings auf dem Wort „kann“. Wenn Ihr Kind pausenlos mit seinem Smartphone beschäftigt ist, könnte dies durchaus auch als Ablenkung von einem anderen Problem dienen. Obwohl schnelle Hilfe in solchen Fällen wichtig ist, sollten dennoch keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.

Unsere Tipps

Nehmen Sie sich die Zeit für Ihr Kind und sprechen Sie über alle Facetten seines Lebens.

Ermuntern Sie Ihren Sprössling, lieber mehr Zeit mit seinen Freunden im realen Leben zu verbringen als in der digitalen Welt.

Achten Sie auf unmittelbare Verhaltensänderungen oder Stimmungsschwankungen, wenn Ihr Kind auf Social-Media-Kanälen unterwegs war. Sprechen Sie mit Ihrem Sprössling darüber und bieten Sie Hilfe an – egal was ihr Kind bedrückt.

Wenn Ihr Kind Schwierigkeiten hat, aber auf Ihr Hilfsangebot nicht reagiert, sollten Sie in Erwägung ziehen, eine psychologische Fachkraft zu konsultieren.

5. Das Leben im „hier und jetzt“ vs. Selfie-Kollektionen

Es ist normal, dass sich Kinder und Jugendliche nach der Akzeptanz ihrer Altersgenossen sehnen. Daher geben sie sich bei der Verbreitung und der Präsentation ihrer Nachrichten so viel Mühe. Das ist sicherlich nicht neu, aber das Aufkommen der Smartphones verlieh diesem Phänomen einen zusätzlichen Aufschwung. Gerade Teenager möchten gerne als cool und attraktiv wahrgenommen werden und verbringen viel Zeit damit, ihr öffentliches Image aufzupolieren. Darum vergessen sie (aber auch wir Erwachsene) manchmal, dass das Leben im „hier und jetzt“ stattfindet und es Informationen an Dritte darüber überhaupt nicht braucht.

Unsere Tipps

Urteilen Sie nicht zu vorschnell: Versuchen Sie zu verstehen, dass Popularität und Image für Teenager wichtig sind. Sehr wahrscheinlich war es bei Ihnen früher ähnlich.

Helfen Sie Ihrem Kind, die Balance zwischen realem Leben und dem „Leben für Likes und Kommentare“ zu finden. Tragen Sie zur Bewusstseinsbildung Ihres Kindes, indem Sie es zu häufigeren Aktivitäten im realen Leben inspirieren, aber nicht zwingen.

Kein Mensch ist perfekt. Solange Sie das Ihrem Kind klar machen, hat es keinen Grund, sich zu verstellen – auch nicht in der digitalen Welt. Ermutigen Sie Ihre Kinder, über gemachte Erfahrungen in den sozialen Medien zu reden. Und vergessen Sie niemals, dass Sie für Ihr Kind auch immer eine Vorbild-Funktion erfüllen.

 

 

Über den Autor

Ondrej Kubovič /
Security Awareness Specialist

Ondrej Kubovič arbeitet seit mehr als drei Jahren bei ESET als Security Awareness Specialist, was bedeutet, dass er die neuesten Cybersecurity-Bedrohungen verfolgt, darüber schreibt und darüber spricht...

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