Vor allem die Sozialen Netzwerke sind ein Tummelplatz für Kinderfotos – und eine Quelle für Cybermobbing oder andere Schikane. Stellen Eltern Bilder von ihrem Nachwuchs einfach so uns Netz, treffen sie am Ende die Entscheidung für seine zukünftige Identität. Die Frage ist, ob wir wildfremden Menschen auf der Straße ohne Aufforderung Fotos unserer Kids zeigen würden? So würde Sharenting in der realen Welt funktionieren, allerdings mit weitaus weniger Reichweite.

                                             

Warum eigentlich? Folgt man einer Studie UCLA Digital Media Center wünschen sich Kinder im Alter von 9-13 Jahren mit eigenen Social-Media-Accounts mehr Anerkennung als ihre Altersgenossen. Kindern, deren  Mütter und Väter auf Sozialen Netzwerken unterwegs sind, verbringen auch mehr Zeit  darauf, weil sie das Verhalten ihrer Eltern „imitieren“. So kann die Suche nach Likes, positiven Kommentaren und Anerkennung durch Außenstehende leicht zur treibenden Kraft in ihrem Leben werden. In manchen Fällen kann dies zu physischen oder  Online-Übergriffen führen, z. B. Identitätsdiebstahl von Kindern durch Personen, die das Kind als ihr eigenes ausgeben oder ihre Daten für andere kriminelle Zwecke missbrauchen.

 

                                                                   

Ein Beispiel: Ihr teilt ein Foto Eures Kindes zum Geburtstag „Alles Gute zum 2. Lebensjahr, Mathilde!“ Neben Geburtstag und Namen erhalten Kriminelle womöglich auch anhand des Bildes 

• Details, wie z.B. Orientierungspunkte, die den Standort des Kindes verraten

• Informationen über andere Menschen einsehen (Gruppenfotos können zum Problem werden wegen der Privatsphäre der einzelnen Menschen).

• Geotags, falls Ihr die Standortverfolgung nicht ausgeschaltet habt

Fügen wir all diese Daten zusammen (Name, Geburtsdatum und Standort des Kindes), kann der Fremde sie für ID-Diebstahl und Betrug verwenden. 

Das Internet vergisst nie

Das Problematische am Internet ist, dass die dort gespeicherten Bilder, Informationen etc. dauerhaft bleiben. „Das Netz vergisst nie“ ist keine Floskel. Etwas im Netz löschen zu wollen, ist fast unmöglich. Denn man weiß nie, wer bspw. Bilder, Videos oder die Daten der Kinder bereits heruntergeladen und weitergegeben hat. Doch auch der digitale Fußabdruck der Kids spielt eine erhebliche Rolle. Je mehr wir posten, umso größer wird er. Je mehr wir von unseren Kindern verraten, umso anfälliger werden sie für Cyberkriminelle oder Mobber. Je mehr vertrauliche Daten wir ins Netz verlagern, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, sie durch ungewollte Sicherheitspannen zu verlieren.

Der Schlüssel zur digitalen Identität ist die Reputation, die sich aus unserem Verhalten und der Interaktion mit anderen Benutzern auf einer bestimmten Plattform ergibt. Wenn unser Ruf gut ist, sind wir vertrauenswürdiger und können online Geschäfte machen und Verträge abschließen oder bessere Konditionen erhalten. Ein Beispiel hierfür ist ein Benutzer, der seine Wohnung zur kurzfristigen Vermietung anbietet (z. B. Airbnb). Wenn der Nutzer zuverlässig, die Wohnung immer sauber ist und die Kunden zufrieden sind, wird er eine gute Bewertung von seinen Kunden erhalten.

Was ist ein digitaler Fußabdruck?

Es gibt zwei Arten an digitalen Fußabdrücken:

Ein passiver digitaler Fußabdruck

Alle Informationen, die ein Nutzer unwissentlich im Online-Raum hinterlässt und die nicht direkt sichtbar sind. Das können der Browsertyp, das Gerätemodell, die Spracheinstellungen, das Betriebssystem oder die IP-Adresse sein, die entweder in der Datenbank des Internetproviders oder auf den Servern des Dienstanbieters gespeichert werden.

Ein aktiver digitaler Fußabdruck

Alle Daten, die Eltern wissentlich im Internet bereitstellen und veröffentlichen - E-Mails, Blogeinträge, Likes, Kommentare, geteilte Videos oder Texte in sozialen Netzwerken und Chat-Nachrichten.

 

Wenn Ihr trotzdem Fotos von Euren Kids posten wollt…

…ist das am Ende nicht das Problem – solange Ihr ein paar Dinge beachtet. Seit der Pandemie helfen uns Medien, mit Familie und Freunden weiter in Kontakt zu bleiben. Es gibt also keinen Grund, keine Fotos zu posten, aber eben mit Vorsicht:

• Checkt die Datenschutzeinstellungen aller geteilten Inhalte. Behaltet immer im Hinterkopf: Wem gehören die Daten? Wer hat Zugriff darauf? Können Dritte/Fremde meine Informationen sehen?

• Teilt Eure Bilder, Videos etc. nur mit einem kleinen Familienkreis und bittet sie, die Daten nicht weiterzuverteilen.

• Vermeidet es, peinliche oder explizite Bilder Eurer Kids zu posten. Jeder, der Zugriff auf die Fotos hat, kann Screenshots machen oder sie herunterladen und weiterschicken, wenn sie nicht richtig geschützt sind. Es ist ganz leicht, Bilder in einen anderen Kontext zu setzen und so den Nachwuchs in einem „falschen Licht“ darzustellen. Cybermobbing ist nicht selten die Folge.

• In Euren Datenschutzeinstellungen könnt Ihr auswählen, wer die Bilder sehen darf. Und es lassen sich auch Benachrichtigungen konfigurieren, so dass Ihr besser unter Kontrolle habt, wo all Eure geposteten Informationen landen. Laut der Child Rescue Coalition haben 89 Prozent der Eltern ihre Datenschutzeinstellungen seit über einem Jahr nicht mehr überprüft. Und seit der Corona-Krise sind unsere Kids eigentlich ständig online. Wenn Ihr die Einstellungen noch nicht gecheckt habt, dann ist jetzt die richtige Zeit dafür.

• Teilt nichts, was irgendwelche persönlichen Daten oder Informationen enthält, die Eurem Kind eindeutig zugeschrieben sind, wie vollständige Namen, Adressen, Geburtsdaten.

• Schaltet die Standortverfolgung beim Fotografieren aus, damit die Bilder nicht mit Geotags versehen werden.

• Überlegt Euch zuerst, was Ihr teilen und mitteilen wollt und habt ein Auge darauf, ob das Posting Eurem Nachwuchs früher oder später schaden könnte. 

Auch die Datenschutzgrundverordnung hilft nicht weiter, wenn ein peinliches Foto im Netz oder auf einer Festplatte einer anderen Person auftaucht. Selbst wenn es Euch gelingt, das Bild im Netz entfernen zu lassen, gibt es womöglich Screenshots davon, die an anderer Stelle wieder erscheinen.