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Telegram - der bessere Messenger?

| 20 Aug 2021
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WhatsApp und der Facebook Messenger sind die mit Abstand beliebtesten Nachrichten-Tools quer durch alle Altersgruppen. Doch die Facebook-Dienste sind seit dem letzten Gerangel um deren Datenschutz-bedingungen in die Kritik geraten. Viele ziehen einen Umstieg auf Telegram in Erwägung. So kann's gelingen.

„Peer ist jetzt bei Telegram“, quengelt Christina, „Mara und Charlene auch, eigentlich alle. Bitte, darf ich's endlich auch installieren?“

Wer im Google Play Store nach der Telegram App sucht, stößt zunächst auf überzeugende Argumente für den Messenger: 500 Millionen Installationen, 4,3 Sterne, das Versprechen kompletter Verschlüsselung und eine dauerhaft kostenlose Nutzung. Einzig irritieren mag Eltern die Einstufung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) - die empfiehlt den Messenger nämlich erst ab 18 Jahren. Haben Eltern die Jugendschutzeinstellungen auf den Smartphones ihrer Kinder entsprechend eingerichtet, bekommen die Kinder Telegram im Play Store nicht einmal mehr zu sehen - von der Möglichkeit, die App zu installieren, gar nicht zu reden. Doch derartige Restriktionen sind nicht immer zielführend. Welche Eltern wollen ihre Kinder schon zu Außenseitern erziehen? Sinnvoller ist es, sie auf die Risiken bei der Kommunikation mit dem Messenger aufmerksam zu machen und entsprechende Einstellungen zu vereinbaren.

 

                                             

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur auf Anforderung

Rund um das Thema „Sicherheit in Telegram“ kursieren etliche Missverständnisse. „Viel sicherer als WhatsApp“ ist der Messenger nämlich nur bei entsprechender Nutzung. Wenn Christina mit ihrer Freundin Emma schreibt, und dabei die Standard-Chatfunktion nutzt, werden ihre Worte zwar auf dem Transport durchs Netz verschlüsselt, aber nicht „Ende-zu-Ende“ - wer Zugriff auf die Server von Telegram hat, kann die dort gespeicherte Kommunikation zumindest theoretisch nachlesen. 

Dabei kann Telegram durchaus Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Dazu muss Christina allerdings vor dem Beginn der Unterhaltung in ihrer Kontaktliste auf das Stift-Symbol tippen und dann „neuer geheimer Chat“ auswählen. Danach wählt sie den Kontakt aus. Diese Kommunikation ist tatsächlich verschlüsselt, wird nicht auf dem Server von Telegram gespeichert und kann sogar mit einem Selbstzerstörungs-Timer versehen werden. Zwei Wermutstropfen: Die Web-App und die Windows-Version von Telegram unterstützen den „geheimen Chat“ nicht. Und auch in Gruppen-Chats ist keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung möglich.

Mehr für die Privatsphäre

Unter dem Hamburger-Menü oben links finden sich „Einstellungen/Privatsphäre und Sicherheit“. Mit diesen Optionen gewährleisten Sie maximale Sicherheit:

● Telefonnummer: Niemand

● Zuletzt gesehen: Niemand

● Profilbilder: Meine Kontakte

● Weiterleitungen: Niemand

● Anrufe: Meine Kontakte

● Gruppen: Meine Kontakte

Hier könnt Ihr außerdem unter anderem eine Pincode-Sperre einrichten, die es Fremden unmöglich macht, die Chats zu lesen, selbst wenn denen das Smartphone in die Hände fallen sollte, und ein Passwort für eine Zwei-Faktor-Authentifizierung einrichten, die bei der Anmeldung an einem weiteren Gerät greift.

                                      

Gruppen, Supergruppen und Kanäle

Telegram unterscheidet sich von Messengern wie WhatsApp und Co. vor allem durch die Unterstützung von Kanälen und sehr großen Gruppen. So können in sogenannten Supergruppen bis zu 200.000 Mitglieder miteinander chatten und ihre Ansichten austauschen. Das macht für viele den Reiz, insbesondere aber auch die Gefahr von Telegram aus. Das Risiko, bei einer derart unüberschaubaren Zahl an Gruppenteilnehmern auch an solche mit extremistischen Ansichten zu geraten, belästigt oder zum Opfer von Online-Betrügereien zu werden, ist hoch. 

Christinas Vater ruft im Netz ein paar einschlägige Seiten auf, über die sich Telegram-Gruppen aufspüren lassen. Schon im ersten Anlauf stößt er auf „Chem.trails Haarp Forschung“, eine Gruppe hat den „Great Reset“ zum Thema, dann gleich ein paar Gruppen, die Diskussionen zum Thema „Reichtum mit Bitcoin“ versprechen. Eine Funktion, mit deren Hilfe er den Beitritt zu solchen - oder zu Telegram-Gruppen allgemein - verhindern kann, bietet der Messenger nicht.

„Chrissy, du, wir müssen uns einmal unterhalten.“

Ob Telegram für die eigenen Kinder trotzdem in Frage kommt, können Eltern nur selbst entscheiden. Kein gutes Argument für den Messenger ist allerdings: „Ich finde solche Gruppen gar nicht.“ Was Eltern technisch als sehr kompliziert erscheinen mag, nehmen Kinder und Jugendliche meist ganz anders wahr. Und stolpern so unversehens in einen Kaninchenbau, aus dem der Weg heraus der deutlich schwerere ist.

 

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