Vor kurzem erst hat eines meiner Nachbarskinder bei Facebook einen Fake-Account von sich entdeckt. Mit seinem Profilbild, seinem Namen und seinen Daten. Jemand hatte einfach sein Profil 1:1 kopiert und neue Freundschaftsanfragen an seine Freunde verschickt. Sie haben sich darüber gewundert und so ist er darauf gekommen, dass irgendwas nicht stimmen kann. 

Dieses Beispiel ist nur eins von vielen, wie Identitätsdiebstahl aussehen kann.  In dem Fall ist es das Ziel, Freunde des Opfers abzuzocken. Die Betrüger gibt vor, im Urlaub seine Brieftasche verloren zu haben oder ausgeraubt worden zu sein. Der Freund soll ihm bitte Geld, zum Beispiel per Paysafecard überweisen.

Identitätsdiebstahl trifft auch sehr junge Kinder

Im Gegensatz zu anderen Ländern wird hierzulande Identitätsdiebstahl nicht als Straftat geahndet. Es gibt dafür keine konkrete Strafe, Täter machen sich unter anderem nur der Urkundenfälschung oder falschen Verdächtigung strafbar. Das ist ziemlich bedenklich, denn der Datenklau des digitalen Ichs von Kindern nimmt auch in Deutschland zu. Und mittlerweile ist jeder Dritte im Internet ein Kind. Und die Kids gehen immer früher online. Heißt, auch jüngere haben schon eine digitale Identität, seien es ihre Anmeldedaten für Facebook, TikTok & Co. oder Spiele-Communities etc. Das Problem daran ist, dass viele Eltern denken, dass die Daten ihrer Kinder Kriminellen nichts nützen. Doch das ist ganz und gar nicht der Fall: Vor allem heranreifende Jugendliche haben oftmals eine gute Kreditwürdigkeit und sauberes Strafregister, was Betrüger zu ihrem Vorteil ausnutzen können. Selbst wenn erwiesen ist, dass die Identität Eures Kindes für illegale Zwecke missbraucht wurde, zum Beispiel um einen Kredit aufzunehmen, entstehen und bleiben andere Probleme und vor allem bürokratischer Aufwand. 

Laut einer Umfrage der Bitkom waren im Jahre 2020 jeder vierte Internetnutzer von illegalen Nutzung seiner Daten betroffen. Leider gibt es in Deutschland so gut wie keine (öffentlichen) Studien dazu. Folgt man US-amerikanischen Untersuchungen, wurden im Jahr 2017 mehr als eine Million Kinder Opfer von identitätsdiebstahl (Javelin Strategy & Research). Besorgniserregend daran ist, dass zwei Drittel der Betroffenen jünger als acht Jahre waren. 

Social Engineering: Die Psychotricks der Kriminellen

Identitätsdiebe versuchen in der Regel, an die Namen, Adressen, Pass- oder ID-Nummern und in einigen Fällen auch an die Finanzdaten von Anwendern zu gelangen. Entweder kaufen sie bereits erbeutete Daten im Darknet oder setzen Malware und Social-Engineering-Methoden ein.

Bei ESET sehen wir solche Fälle sehr häufig. Durch manipulierte Links oder Webseiten verseuchen sie die Geräte ahnungsloser Nutzer und können die dort gespeicherten Informationen, Bilder etc. stehlen oder sie aus dem Internetbrowser auslesen. Infizieren sie ein Gerät mit einem Keylogger, wird alles, was der Anwender schreibt, direkt an den Hacker gesendet, auch Bankdaten und Passörter. Die lohnenswerteste Masche für Online-Betrüger ist allerdings Social Engineering: Hierfür müssen sie kein Geld für Schadprogramme ausgeben, die sie im Darknet kaufen können. Sie geben sich in einer Nachricht oder E-Mail (wie oben im Falle von Facebook) als eine andere Person aus, einen Bekannten oder ein Mitarbeiter einer Firma wie Amazon und bringen den Nutzer dazu, seine persönlichen Daten zu verraten. 

So schützt Ihr Eure Familie vor Identitätsdiebstahl

Die guten Nachrichten sind, dass Ihr Euch und Eure Kids davor schützen könnt. Wir geben Euch folgende Tipps:

• Redet mit Eurem Nachwuchs über solche Gefahren. Erklärt ihnen, dass sie am besten im Internet mit Daten „geizen“ und niemanden etwas verraten. Das gilt besonders für soziale Medien. Darauf haben Wohn- und E-Mail Adresse, Telefonnummer, auch Bildern mit Autokennzeichen oder Standort nichts verloren. Freundschaftsanfragen von Fremden sollten sie löschen.

• Ein starkes Passwort spielt eine Schlüsselrolle, wie bei einem Schloss am Fahrrad oder eine verschlossene Wohnungstür. Schwer zu erratende Passwörter lassen sich zwar schlecht merken, aber auch hier gibt es verschiedene Tricks, damit es gelingt. Tipps findet Ihr hier. Und denkt daran, niemals dieselben Passwörter für verschiedene Dienste oder Webseiten zu verwenden.

• Übermittelt nur persönliche Daten online, wenn Eure Internetverbindung auch sicher ist. Über öffentliche WLANs oder ungesicherte Internetzugänge fängt man sich schnell Trojaner, Viren & Co. ein. So ist Ausspionieren vorprogrammiert. 

• Entsorgt vertrauliche, digitale Daten auf eine sichere Art und Weise. Das gilt auch für das analoge Papier. Das solltet Ihr auf jeden Fall shreddern. Verkauft oder entsorgt Ihr Eure Altgeräte, vergesst nicht, die Daten darauf vorher zu löschen. Nur auf Werkseinstellungen zurücksetzen, ist keine sichere Lösung, die Informationen lassen sich schnell wiederherstellen. 

So geht’s: 5 Schritte zum sicheren Löschen von Daten auf Tablets und Smartphones:

1. Verschlüsselungsfunktion des Geräts nutzen  

2. SIM- oder SD-Karte aus dem Gerät entfernen  

3. Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen  

4. Speicher zusätzlich komplett überschreiben  

5. Gerät wieder auf Werkseinstellungen zurücksetzen  

Ihr könnt allerdings auch Apps zum richtigen Löschen nutzen, die es kostenlos im Google Play Store gibt.

• Am besten zeigt Ihr anhand von Beispielen (siehe Promo Adidas und Amazon), wie Eure Kids verdächtige Nachrichten oder Webseiten erkennen. Sicherheitssoftware enthalten in der Regel einen Phishing-Schutz, den man problemlos aktivieren kann. Er warnt vor gefälschten Webseiten, bevor Ihr sie öffnet. Überprüft immer die E-Mail-Adresse der Absender und checkt, ob der Link Euch wirklich auf die offizielle Webseite führt (siehe Beispiel Amazon).

                            https://saferkidsonline.eset.com/storage/articles/June2021/adidasPhishing.jpg

• Stellt Ihr fest, dass die Daten Eures Nachwuchses in falsche Hände geraten sind, informiert die Polizei. In der Regel gibt es dort mittlerweile eine Abteilung für solche Fälle. Falls nicht, wendet Euch an einen Anwalt oder NGOs (verschiedene Organisationen), die Beratungsstellen dafür haben.

• Ein weiteres Ergebnis der oben genannten Studie war, dass die Hälfte der betroffenen Kinder den Täter persönlich kannte. In einigen Fällen zeigte sich ein enger Zusammenhang zwischen Mobbing und Betrug. Sprecht die Lehrkraft in der Schule an, vielleicht gibt es ja einen Hinweis. Noch beunruhigender ist, dass der Täter aus der Familie kam. Sollte sich dies bestätigen, müsst Ihr auch hier den Dialog suchen.